Beitragvon Mannheimer Homburger » Sa 13. Apr 2013, 23:16
Das Fußballgeschäft ist immer mehr ein "Closed Shop". Der Abstand der Regionalligen zur 3. Liga wird mangels Fernsehgeldausstattung in der 4. Liga immer größer. Die Viertligisten müssen sich mit einer Schar von II-Mannchaften auseinandersetzen, die praktisch finanziell und von der Kaderbreite bei entsprechendem Willen der Verantwortlichen in der jeweiligen Vereinsführung nicht limitiert sind, auf den Spielberechtigungsbögen stehen teilweise über 40 Spieler.
Die Regio Bayern stellt sich als das heraus, was alle befürchtet haben: Über diese Liga wird auch die dritte Liga mit II-Mannschaften aufgefüllt werden. Wie Ihr wisst, hat keiner der "Normalvereine" dort eine Lizenz für die dritte Liga beantragt, lediglich die II-Mannschaften dieser Liga wollen hoch. Je mehr II-Mannschaften in der 3. Liga spielen, desto hinfälliger wird das derzeit noch gezahlte Fernsehgeld. In der 3. Liga gibt es ab dieser Saison keine zahlenmäßige Beschränkung der II-Mannschaften mehr.Das meine ich mit der Aussage, dass 1. und 2. Liga zum closed shop werden.
Gleichzeitig sind bereits Viertligisten und auch Spitzenklubs der 5. Liga einer immer größeren Erwartungshaltung des Publikums ausgesetzt. Meiner Meinung nach entsteht aus einer völlig übersteigerten Konsumentenhaltung des Publikums eine permanente Bundesligakomparatistik. Zu bieten sind VIP-Betreuung, Videowall, Online-Ticketing, Videokanäle etc.. Das ist meiner Meinung nach lachhaft und der sportlichen Qualität der Liga nicht angemessen. Bleibt dann der sportliche Erfolg aus, bleibt man halt mit dem Arsch zu Hause.
Da kommen Trainer (ich war in Homburg ein Jahr in der Regiosaison 2010/2011 im Vorstand und ehrenamtlicher Geschäftsführer und hatte anfangs idealistische Vorstellungen), die faseln was von Mannschaftsbussen mit Schlafsesseln und Thrombosestrümpfen, und wenn man fragt, was sie denn so denken, was so ein Bus kostet, weißt Du, dass Du so Leuten niemals so etwas wie eine Budgetverantwortung geben kannst. Verantwortet werden diese überzogenen Anspruchshaltungen in unseren Ligen von Vorständen, die ehrenamtlich tätig sind und zum Dank auch noch voll in der Haftung stehen. Beim Amtsantritt bekam ich als erstes einen persönlichen Haftungsbescheid des Finanzamtes auf meinen Namen resultierend auf der "Arbeit" meiner Vorgänger. Gehört halt dazu, damit rechnet man auch.
Das trainierende und spielende Personal interessiert sich ausschließlich für eine Sache: Geld. Vereinstreue oder Ideale sind nostalgische Begriffe ohne Inhalt. Die Begrifflichkeit von Geld ist immer nur rein netto. Es handelt sich um ein turbokapitalistisches System, indem Du als Spieler mit 23 den Sprung ins Profitum geschafft haben musst oder du bist weg vom Fenster. Auch die Trainer sind Kurzzeitdenker, müssen von Vertrag zu Vertrag leben, also versuchen Sie das Maximale in der gegebenen Zeit herauszuholen. Das System ist komplett korrupt. Es werden an Trainer Kick-Back-Provisionen aus vom Verein gezahlten Beraterhonoraren oder Ablösen verlangt, es werden Ausrüster suggeriert, bei denen der Trainer bei Zustandekommen des Vertrages mitkassieren kann usw., alles im Schnellkursus gesehen und erlebt.
Zugleich wird der Unterbau vom DFB komplett allein gelassen. Es ist keinerlei erfolgreiche Lobbyarbeit bei der Erhöhung der BG-Beiträge gelaufen (ab 2016 sind auch in der Oberlig 36% des Bruttolohns als BG-Beitrag fällig, eine 450 Euro-Kraft wird dann 67% Lohnnebenkosten verursachen). Es gab keinerlei Bemühen, die weggefallenen Fernsehgelder zu kompensieren. Der DFB ist der Blinddarm der DFL.
Regio und Oberliga sind nicht lizenziert, es gibt kein Financial Fairplay. Also musst Du Dich auch noch mit den Idioten von der Konkurrenz auseinandersetzen, die Schwarzgeld oder Pseudojobs einsetzen. Wenn dann die Betriebsprüfung kommt, ist die Karawane längst weitergezogen und rippt das nächste Opfer. Die Zeche zahlt immer der Verein.
Kurz: Die Oberliga zu diesen Preisen ist kein Geschäftsmodell. In einer Stadt wie Pirmasens hat der Fußball so gut wie keine Medienpräsenz, zumindest im TV, und damit für Sponsoren keinerlei Werbewert. Vereine können nur auf Nostalgiker oder profilneurotische Sponsoren hoffen, die nicht wissen wohin mit Ihrem Geld, bei denen man aber mitunter mit sehr irrationalen Aktionen rechnen muss, da diese wissen, dass Sie den Laden zu 90% finanzieren. Entsprechend kann der Machtanspruch ausfallen und die Gremien haben nichts zu melden.
Kurzum: BEZAHLTER Amateurfussball ist tot, es gilt über Alternativen nachzudenken.